extra
Keine One-Man-Show
von stephan hutt
Das Kickers-Clubrestaurant entwickelt sich immer mehr zum Stammlokal des Gewerbe- und Handelsvereins Degerloch. Nach dem "Degerlocher Gänsemarsch 2024" fand auch kürzlich die Jahreshauptversammlung im Hause Rörich statt. Schade, dass nur wenige der aktuell 192 Mitglieder den Weg auf die Waldau fanden. Unter den 30 Anwesenden waren neun Mitglieder des Vorstandes, einige Mitglieder des Ausschusses und ein paar Gäste. Tatsache ist leider, dass viele junge Degerlocher Firmeninhaber, deren Väter einst keine Sitzung ausließen, um den internen Zusammenhalt zu stärken, auf Events dieser Art keinen großen Wert mehr legen. Mag sein, dass die deutlich bessere Mitgliederbeteiligung früherer Zeiten auch damit zu tun hatte, dass der GHV immer wieder prominente Redner präsentierte. Ex-Mercedes-Chef Helmut Werner, Ex-Wirtschaftsminister Helmut Haussmann, Regionalpräsident Thomas Bopp und einige andere bereicherten so manche Sitzung mit interessanten Redebeiträgen.
Was den Mitgliederbestand betrifft, darf sich Degerloch durchaus auf die Schulter klopfen. Als einer der kleineren Stadtbezirke der Landeshauptstadt kann der Gewerbe- und Handelsverein Degerloch auf die meisten Mitglieder aller Stuttgarter GHVs oder HGVs verweisen. Bad Cannstatt mit 130, Feuerbach mit 120 und Möhringen mit 110 Mitgliedern sehen diesbezüglich von Degerloch nur die Rücklichter. Auch was die Größe des Vorstandes betrifft, kann kaum ein anderer Verein mithalten. Neun Vorstände inklusive des Neuzugangs Ursula Scheid, Inhaberin der Damen-Boutique Andante in der Löwenstraße, bilden das Degerlocher GHV-Gerüst. Einen 1. oder 2. Vorsitzenden wie bei anderen Vereinen gibt es schon lange nicht mehr, dafür mit Sprecher Guido Arnold und Generalsekretär Hans-Martin Ehmann eine neue Doppelspitze, die von Immobilien-Experte Matthias Giese als "Finanzminister" tatkräftig unterstützt wird. Desweiteren gehören dem Vorstandsteam Götz Bräuer, Florian Gauder, Harald Giese, Thomas Raff und Eberhard Klink an.
Nach der inzwischen bei Jahreshauptversammlungen üblichen Vorstellungsrunde aller Anwesenden waren Kassenbericht, Entlastungen und Neuwahlen schnell und ohne größere Veränderungen erledigt, bevor der Tagesordnungspunkt Satzungsänderung auf den Tisch kam. Mehrere Anwesende sprachen sich gegen die Beantragung einer Gemeinnützigkeit aus, die das Ausstellen von Spendenbescheinigungen ermöglichen würde. Eine andere Entscheidung wäre auch nicht nachvollziehbar gewesen, denn der Gewerbe- und Handelsverein Degerloch ist eine Unternehmervereinigung und kein Spendensammelverein. Kritische Stimmen gab es im Verlauf des Abends so gut wie keine, lediglich Eberhard Klink sah Optimierungsbedarf im Unterhaltungsprogramm der "Degerlocher Weihnachtswochen", da die musikalischen Einlagen auf der Epplestraße vom Laufpublikum wenig beachtet wurden.
Das Schlusswort der Jahreshauptversammlung blieb Guido Arnold, der sich seit zwei Jahren im GHV engagiert. "Die Arbeit in der Vergangenheit hat Spaß gemacht. Wir sind ein gut funktionierendes Team, keiner ist abgesprungen und es gibt keine One-Man-Show", brachte es der neue "Außenminister" auf den Punkt. Vielleicht gelingt es ihm zukünftig, auch wieder Degerlochs junge Unternehmer näher an den Verein heranzuführen. Seine frühere Tätigkeit als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Stuttgarter Kickers könnte diesbezüglich sehr hilfreich sein.
Bild: Die GHV-Vorstände Hans-Martin Ehmann, Guido Arnold und Matthias Giese (von li.)